Wieso Hebamme? Braucht man die wirklich?

wieso Hebamme
Foto, Rebekah Vos

Dieser Blogartikel ist Teil der Serie Daddy Diaries, in der ich persönliche Geschichten und Erfahrungen als frischgebackener Vater teile. – Pierce

Nachdem meine Frau beim Frauenarzt war und die Schwangerschaft bestätigt wurde, kam sie gleich mit einem Thema um die Ecke, das bei ihr eine Dringlichkeit auslöste, die ich ehrlich gesagt zu dem Zeitpunkt nicht so ganz verstand: „Ich muss eine Hebamme finden.“ Sie wirkte leicht panisch, weil sie vom Hebammenmangel gehört hatte und besorgt war, keine mehr zu bekommen. Ich hingegen? Nun, ich muss gestehen, dass ich nicht mal wirklich wusste, wieso sie die Hebamme braucht. Peinlich, oder? Aber ich sage das jetzt mal ganz offen: Ich hatte keine Ahnung, warum die so wichtig ist.

Zu meiner Verteidigung muss ich erwähnen, dass ich 11 Jahre im Ausland gelebt habe, und dort gab es dieses Hebammenvorsorge-Modell einfach nicht. Aber zurück zum Thema: 

Meine Frau war gestresst, und es war ihr wirklich wichtig, eine Hebamme zu finden.

Also telefonierte sie fleißig herum und fand dann zum Glück relativ schnell eine, die die Vorsorge übernehmen konnte. Ich war einfach nur happy, dass sie glücklich war, und wenig später haben wir unsere Hebamme auch persönlich kennengelernt.

Unsere Hebamme war sehr freundlich, kompetent und es war irgendwie beruhigend, diese Fachperson in unserem Wohnzimmer begrüßen zu dürfen. Die meiste Zeit verbrachte sie natürlich mit meiner Frau, aber ich wurde immer wieder dazu geholt, um zum Beispiel die Herztöne unseres Babys zu hören. Das war ein sehr besonderer Moment für uns beide – es hat die Schwangerschaft für mich irgendwie realer gemacht.

Ich habe schnell verstanden, wieso eine Hebamme eine gute Idee war. Bestimmte Vorsorgetermine fanden bei uns zuhause statt, so dass meine Frau sich nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Praxis quälen musste. Sie konnte in aller Ruhe mit unserer Hebamme im Wohnzimmer über die Schwangerschaft sprechen, Fragen klären und einfach ein Gefühl von Sicherheit spüren. 

Es fühlte sich fast wie ein Luxus an, eine solche Person zu haben, die uns während dieser Zeit begleitet.

Dann kam jedoch ein Rückschlag. Die Geburt rückte näher, und unsere Hebamme verletzte sich und war plötzlich nicht mehr mobil. Das bedeutete, dass sie uns im Wochenbett nicht vor Ort unterstützen konnte, sondern nur per Video. Für meine Frau war das ein Schock – völlig unvorstellbar, das Wochenbett über Videoanrufe zu begleiten. Doch meine Frau wäre nicht meine Frau, wenn sie nicht auch dafür eine Lösung gefunden hätte. Wie durch ein Wunder organisierte sie eine neue Hebamme, die nach einer Pause gerade wieder anfing, Hausbesuche anzubieten. Wir haben sie zur richtigen Zeit erwischt.

Die Geburt fand im babyfreundlichen Amalie Sieveking Krankenhaus statt, und wir hätten uns keinen besseren Ort vorstellen können. Der hebammengeführte Kreißsaal entsprach genau den Wünschen meiner Frau. Von Anfang bis Ende waren wir von wunderbaren Hebammen umgeben, die uns durch die gesamte Geburt begleitet und uns anschließend auch beim Stillen unterstützt haben. Zwei Tage später fuhren wir dann als kleine Familie zu dritt nach Hause.

Unsere neue Hebamme war ebenfalls sehr kompetent, hatte aber einen ganz anderen Vibe. Sie war cool, gesprächig, und im Wochenbett haben wir oft 1-2 Stunden einfach über alles rund um Kinder und Geburt geredet. Sie brachte uns auch immer nette kleine praktische Dinge mit, ob es Windeln waren oder ein Greifring. Mit ihr haben wir das erste Mal unseren Sohn gebadet, und sie hat uns viel Selbstvertrauen im Umgang mit unserem Kind gegeben. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar.

Kaum war sie da, war sie aber auch schon wieder weg.

Es ist verrückt, wie schnell man eine persönliche Beziehung zu einer Hebamme aufbaut, und wie schnell diese dann auch wieder zu Ende ist. Aber das ist verständlich. Diese Menschen begleiten uns während einer der prägendsten Zeiten unseres Lebens. Sie teilen diese kostbaren, intimen und persönlichen Momente mit uns. Aber für uns endet die Reise, während ein neues Elternpaar auf unsere Hebamme wartet.

Wieso Hebamme? Hebammen sind einfach großartig. Die Tatsache, dass wir in Deutschland diesen Luxus haben, ist schon beeindruckend. Hebammen verdienen unseren Respekt und unsere Unterstützung, denn sie geben uns in einer Zeit, die für uns ganz neu ist, ein Gefühl von Sicherheit. Und das ist unbezahlbar.

Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass unser Daddy-Kurs gemeinsam mit der wunderbaren Hebamme Julia Weber entwickelt wurde, die mit ihrer Expertise tief in alle wichtigen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eintaucht – damit ihr als werdende Väter bestens vorbereitet seid.

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