Dieser Blogartikel ist Teil der Serie Daddy Diaries, in der ich persönliche Geschichten und Erfahrungen als frischgebackener Vater teile. – Pierce
Wir sind schwanger! Ab diesem Moment ändert sich alles – und ich meine wirklich alles. Nicht nur dein äußeres Leben, sondern auch deine Gesprächsthemen. Als wir zum ersten Mal schwanger wurden – und ja, ich sage bewusst wir, weil ich die Schwangerschaft als eine gemeinsame Reise gesehen habe – veränderten sich die Gespräche schlagartig. Plötzlich gab es ein neues Ziel: die erfolgreiche Geburt unseres Kindes. Dafür mussten wir viele Dinge vorbereiten, besprechen und planen. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie oft und wie viel wir über unser Kind geredet haben, aber es hat definitiv unsere Gespräche dominiert, ob wir nun allein waren, mit Freunden oder Familie. Irgendwie ja auch normal.
Mit der Schwangerschaft öffnen sich auch viele neue Themen – sehr viele, mit denen man sich auseinandersetzen kann.
Meine Frau war sehr ambitioniert und bestens informiert. Sie hat die Schwangerschaft in vollen Zügen genossen und optimal für sich genutzt. Vorbereitungskurse, Bücher, Austausch mit anderen Schwangeren – sie ist völlig in die Welt von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eingetaucht. Und sie hat natürlich versucht, mich hier und da mitzunehmen. Und ja, manchmal war ich auch interessiert, aber oft ging es um Dinge, die mir zu diesem Zeitpunkt einfach nicht wirklich wichtig erschienen.
Kaum war unser Kind dann da, hatten wir unser erstes Ziel erreicht. Natürlich haben wir noch viel darüber geredet, rückblickend reflektiert und bis heute teilen wir unsere Erfahrungen. Doch plötzlich kamen so viele neue Themen hinzu: Babytragen, Stillen, Entwicklungsschübe, Beikost, Baby-led Weaning, Windelfrei, zuckerfrei, bedürfnisorientiert, welcher Buggy, kein Plastik, nur Holzspielzeug, Montessori, Waldorf, Seife oder keine Seife, Großeltern, andere Eltern… Ein Thema nach dem anderen häufte sich an. Es wurde darüber geredet, wann und ob das Kind in die Krippe, zur Tagesmutter oder in die Kita geht – Jahre vorher! Und es wurde verglichen: „Wie machen die das? Hast du das gesehen?“
Das Kind stand im Mittelpunkt, ständig. Und irgendwann fragt man sich: Worüber haben wir eigentlich vor der Schwangerschaft geredet?
An diesem Punkt möchte ich klarstellen, dass ich es natürlich für absolut sinnvoll halte, sich über das Kind und dessen Bedürfnisse und Wohlbefinden auszutauschen, zu diskutieren und zu planen. Aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass wir uns heutzutage manchmal zu sehr den Kopf über diese Themen zerbrechen und mit dem Informationsüberfluss nicht wirklich umgehen können. Denn all diese Informationen, die wir aufnehmen und teilen, können auch zu Unsicherheiten führen – und diese führen dann wieder zu mehr Diskussionen und Gesprächen.
Reden wir zu viel über unser Kind?
Ich habe persönlich den Punkt erreicht, an dem ich abends, wenn der Kleine schläft, am liebsten über andere Dinge reden möchte. Nicht, weil ich meinen Sohn nicht liebe oder nicht begeistert bin von all den tollen Dingen, die er neu kann oder gemacht hat, sondern einfach, weil ich manchmal das Bedürfnis habe, mich wie ein eigenständiger Mensch zu fühlen, der nicht komplett mit seinem Kind verwoben ist. Es gibt manchmal nichts Besseres, als sich mit einem Freund zu treffen, den ganzen Abend zu reden und am Ende festzustellen, dass wir kein einziges Mal über unsere Kinder gesprochen haben. Das gibt mir das Gefühl, mich wieder mit mir selbst zu verbinden, und es gibt mir neue Energie, ein guter Partner und Daddy zu sein. Ich freue mich umso mehr, meinen Sohn wiederzusehen und mit meiner Frau über ihn zu reden, wenn ich mal diese kleine Pause hatte.
Hier ist jeder sicherlich anders, und ich weiß, dass es auch genügend Mütter gibt – einschließlich meiner Frau – die das nachvollziehen können. Manchmal braucht man einfach eine Pause vom eigenen Kind, um einfach mal abzuschalten und sich selbst wiederzufinden, damit man mit frischer Kraft und neuer Energie wieder da sein kann.



